Unter dem Patronat der EurAsia Heart Foundation erfolgte im Februar 2019 in Tiflis die Entfernung des lebensbedrohlichen Nephroblastom an dem 5-jährigen Mädchen Nathaly. Für die aufwendige Operation zog die Universitätsklinik Tiflis die beiden an den Schweizer Hirslanden Kliniken tätigen Spezialisten, Prof. Jan Schmidt und Prof. Martin Spahn bei. Über den erfolgreichen ersten Einsatz der EurAsia Heart Foundation in Georgien ist nun ein berührender Film entstanden.

Herr Prof. Schmidt, in welcher Beziehung stehen Sie zu Georgien

Jan Schmidt: Meine Beziehung zum Uniklinikum in Tiflis reicht bis ins Jahr 2006 zurück. Damals betreute ich als leitender Oberarzt am Uniklinikum in Heidelberg eine Gruppe georgischer Jungmediziner. Daraus etablierte sich ein Programm für Lebendnierentransplantation, wobei ich mehrere Chirurgen ausbilden durfte und bis heute über 100 meist jugendliche Patienten operiert habe. Seither kommen regelmässig Anfragen bei schwierigen Fällen, für die in Georgien wenig oder keine Erfahrung besteht.

Wie kam es zu Ihrem Einsatz für die EurAsia Heart Foundation?

Jan Schmidt: Als ich im Herbst 2018 aus Georgien die Anfrage der behandelnden Nephrologin, Frau Dr. Irma Tchokhonelidze erhielt, die fünfjährige Nathaly zu operieren, kontaktierte ich umgehend den Urologen und Kinderonkologen Prof. Martin Spahn. Um die Kosten für Natalys Eltern zu senken, nahmen wir zusammen Kontakt zur EurAsia Heart Foundation auf, die ich von meinen vier Auslandeinsätzen bereits gut kannte. Grosszügigerweise zeigte sich die Stiftung sofort bereit, die Flug- und Hotelkosten für das Team zu übernehmen, während das «HighTech Medical Center University Clinic» in Tiflis die Kosten für den Aufenthalt übernahm. So mussten die Eltern letztlich «nur» für die Medikamente und Sachkosten aufkommen.

Herr Prof. Spahn, was war Ihr Beweggrund, unentgeltlich nach Tiflis zu reisen?

Martin Spahn: Bei Nathaly wurde ein Nephroblastom, nach seinem Entdecker, dem Chirurgen Max Wilms, auch Wilmstumor genannt, diagnostiziert. Dabei handelt es sich um einen seltenen, ausschliesslich bei Kleinkindern und jüngeren Kindern auftretenden bösartigen Tumor, der unbehandelt immer zum Tode führt. Im kleinen Georgien ist ein solcher Tumor sehr selten. Das nötige Operations-Know-how konnte daher noch nicht aufgebaut werden. Da ich und Jan Schmidt schon viele solche schwierigen Operationen durchgeführt haben, willigte ich selbstverständlich umgehend ein, Nathaly zu helfen.

Worauf war bei einer Operation des Wilmstumors besonders zu achten?

Martin Spahn: Ein Wilmstumor operierte man früher meist sofort. Dies führte jedoch zu vielen Fällen, wo der Tumor durch intraoperative Manipulation rupturierte und die Zellen verteilt wurden. Heute wird daher meist vorbehandelt, was zur Schrumpfung und Verfestigung des Tumors führt. Beim Eingriff darf auf keinen Fall die Kapsel des Tumors eröffnet werden. Dies führt zu einem sogenannten Tumorzell-Spilling in die Bauchhöhle mit Verschleppung und Ausbreitung des Krebses im Bauchraum, was oft gleichbedeutend mit dem späteren Tode ist.

Wie bereiteten Sie die Operation von Nathaly aus der Schweiz heraus vor?

Jan Schmidt: Anhand der Fallschilderung durch das Uniklinikum Tiflis und der erhaltenen Röntgenbilder empfahlen wir in einem interdisziplinären Team bestehend aus zwei Kinderonkologen zweier Universitätskliniken sowie Prof. Spahn und mir, den Tumor zunächst in vier Zyklen Chemotherapie vorzubehandeln. Dies reduziert die Prognose und die Gefahr der Tumorruptur intraoperativ. Es folgten regelmässige MRI-Kontrollen zur Beurteilung des Ansprechens des Tumors. Nach den vier Zyklen und einer Erholungsphase für das Mädchen konnten wir, gut vier Monate nach der Entdeckung des Tumors durch Nathalys Mutter, die Operation angehen.

Wie verlief die Operation und wie geht es Nathaly heute?

Jan Schmidt: Mit der Hilfe eines sehr gut vorbereiteten Teams um Dr. med. Irma Tchokhonelidze, Leiterin Nephrologie Universitätsspital Tiflis, konnten wir die Operation ohne Komplikationen durchführen. Der Tumor liess sich in rund zwei Stunden restlos entfernen. Nathaly geht es heute sehr gut. Sie besucht die Schule und kann wieder mit ihren Freunden lachen und spielen.

Würden Sie einen ähnlichen Einsatz wieder mit der EurAsia Heart Foundation durchführen?

Martin Spahn: Selbstverständlich. Ohne die Stiftung wäre dieses aufwendige Projekt nicht möglich gewesen. Dank ihrer mehr als 15-jährige Aktivität in der medizinischen Knowhow-Vermittlung insbesondere in Russland, der Ukraine, Usbekistan und Myanmar ist sie weltweit eine der führenden Institutionen auf diesem Gebiet. Wir sind sehr froh, dass sie nun auch in Georgien Fuss fassen konnte.